Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Bahrdorf
 

Auch in Bahrdorf war schon vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr eine Ausrüstung für Brandeinsätze inkl. einer Feuerspritze vorhanden. Durch die häufigen Besitzerwechsel des Amtes Bahrdorf sind leider nur Fragmente der Aufzeichnungen vorhanden. Bei unserem Besuch im Landesarchiv in Wolfenbüttel fanden wir trotzdem eine Vielzahl von interessanten urkundlichen Erwähnungen und etliche Anekdoten über die bewegte Vergangenheit unserer Feuerwehr bis hin zur Gegenwart:

Zum Beispiel wurde im Jahre 1753 vom Amt Bahrdorf (Domäne) Geld für eine Feuerspritze beantragt und auch genehmigt. Geliefert wurde aber nur der Wagen, weil der Lieferant der Spritze in der Zwischenzeit verstorben war. So standen die Kameraden nun vor einem leeren Wagen‘ der ohne die dazugehörige Feuerspritze für sie vollkommen nutzlos war. Nur durch das Eingreifen von Justiziar Helpner kamen sie lange Zeit später letztendlich doch noch zu der heißersehnten Spritze.

Ein weiterer aktenkundiger Fall beschäftigte einige Jahre die Gerichte. Im Jahre 1 774 forderte Vogt Lambrecht, dass in Bahrdorf eine Feuerspritze 50/9 anstelle der bisherigen Löscheimer anzuschaffen sei. Das Amt stimmte zu und hielt vertraglich fest, dass der Vogt und andere Gutsbesitzer das Geld für die Spritze auszulegen hätten. Auch das Amt Bahrdorf sammelte zusätzlich weitere Gelder.

Die Anschaffung der Feuerspritze wurde jedoch aus unbekannten Gründen so weit hinausgezögert, dass Vogt Lambrecht in der Zwischenzeit Konkurs anmelden musste. Er fühlte sich um sein Geld betrogen und forderte es zurück. Das Amt musste dies ablehnen, weil es die Gelder anscheinend unauffindbar “verlegt“ hatte. Folglich gab es also keine Spritze und die Gutsbesitzer bekamen ihr ver­auslagtes Geld auch nicht zurück.

Im Jahre 1 775 tauchten dann aber in einer Konkursmasse Gelder auf, deren Existenz sich niemand erklären konnte. Man kam zu dem Schluss, dass es sich hierbei um die gesammelten Beträge handeln müsse und obwohl die Spritze immer noch nicht angeschafft war, zahlte man die Gelder nicht zurück.

Am 26.04.1777 wurde die Gemeinde aufgefordert, den Streit beizulegen. Sie erstattete Vogt Lambrecht die Hälfte seines ausgelegten Geldes. Zugleich bekam die Gemeinde die Auflage, eine neue Feuerspritze zu bestellen, obwohl sie zwischenzeitlich bereits eine angeschafft hatte. Von den gesammelten Geldern waren aber nur noch 80 Taler vorhanden. Ein neuer Antrag auf Beihilfe wurde ge­stellt. Für den Erwerb einer neuen Spritze wurden 213 Taler genehmigt. Diese wurde am 05.10.1 778 vom Hersteller übergeben und in einer Scheune auf der Domäne untergebracht.

Der Streit schwelte aber weiter, denn am 05.0 1 .1 781 forderten die Erben des Vogt Lambrecht vor Gericht die Rückzahlung des gesamten Betrages. Das Ge­richt wies die Forderung ab und schloss den Vorgang endgültig.

Ausrüstung und Geräte waren früher in einer Scheune auf der Domäne unterge­bracht, Als in Bahrdorf die erste Freiwillige Feuerwehr im Amte Vorsfelde gegründet wurde, forderten die Kameraden anstelle dieser Scheune ein eigenes Gerä­tehaus. Der Bau des ersten Feuerwehrgerätehauses sollte sich aber als schwierig gestalten.

Das Problem war, dass die Besitzrechte an der Feuerlöschspritze nicht geklärt wer­den konnten. Sowohl die Domäne als auch die Gemeinde erhoben Anspruch. Nachdem man beschlossen hafte, dass die Feuerspritze der Gemeinde gehörte, wurde die Genehmigung zum Bau eines Gerätehauses in Bahrdorf zum Frühjahr 1861 vom Gemeindevorsteher Körner beglaubigt. Trotz dieser Unstimmigkeiten durfte die Feuerspritze bis zur Fertigstellung des Gerätehauses weiterhin auf der Domäne untergestellt werden.

1861 wurde das erste Spritzenhaus, das noch heute als Garage dient, an der heutigen Bahnhofstraße gebaut. Das Gebäude diente nicht nur als Spritzenhaus, sondern auch als Hilfsgefängnis für Diebe, Krakeeler und Trunkenbolde, um diese dingfest zu machen.

Die Alarmierung der Kameraden erfolgte seinerzeit durch einen Hornisten, der mit seinem Feuerhorn Alarm blies. Der Transport der Löschmannschaft oblag der Domäne. Den Transport der Handdruckspritze, die von Pferden gezogen wurde, übernahmen die Bauern im Wechsel. Eine schwarze Holztafel am Spritzenhaus diente hierbei als Erinnerungsstütze, denn auf ihr war vermerkt, welcher Landwirt eingeteilt war und mit seinem Gespann zum Brand ausrücken musste. Am Brandort trat dann die Pumpenmannschaft in Aktion; eine zwölf Mann starke Ablösung stand immer bereit.

Im Jahre 1893 war Bahrdorf noch immer die einzige Freiwillige Feuerwehr im Amte Vorsfelde. In der Gemeinde Bahrdorf lebten zu dieser Zeit 781 Einwohner in 189 „Hauseinrichtungen“.

Werden heutzutage Geräte und Ausrüstungsgegenstände benötigt, muss der An­trag bei der Samtgemeinde gestellt werden. Damals mussten die Kameraden „Beihilfe“ beim Herzoglichen Staatsministerium zu Braunschweig beantragen. Zwei dieser Beihilfeanträge fielen uns in Wolfenbüttel besonders auf und sollen hier exemplarisch aufgeführt werden:

Am 27.10.1893 wurden für Feuerlöschgegenstände 190,93 Taler Beihilfe beantragt. Der Kreisbranddirektor Seebach befand nach einer Besichtigung: „Die Schläuche sind unbrauchbar und die vorhandenen Joppen sind abgenutzt.“ Deshalb unterstützte er den Beihilfeantrag. In einem Schreiben teilte die Kreisdi­rektion Helmstedt am 31.10.1893 mit, dass 75 Taler aus dem Topf der Landesbrandkasse als Beihilfe für die Gemeinde Bahrdorf zu Feuerlöschzwecken angewiesen werden.

Der zweite Beihilfeantrag belegt, dass damals wie heute in den öffentlichen Kassen chronischer Geldmangel herrschte:

Die Gemeinde Bahrdorf stellte am 27.04.1910 wiederum einen Beihilfeantrag an das Herzogliche Staatsministerium zu Braunschweig. Es wurden 390,30 Mark für Schläuche und Kupplungen benötigt.

<- Abschrift des Antrages

Am 07.05.1910 werden dafür 130 Mark aus dem Fond für Feuerlöschwesen bewilligt.

 

Im Jahre 1912 wurde der Bahrdorfer Wehr ihr neues Spritzenhaus übergeben, das am heutigen Standort errichtet wurde. 1928 wurde es durch einen 10,6 Meter hohen Schlauchturm erweitert, der auch noch heute besteht.

Am 17.08.1925 wurde erneut ein Beihilfeantrag an den braunschweigischen Minister für lnneres zur Anschaffung eine Motorspritze und Heizvorrichtungen im Gerätehaus geleitet, um die Spritze vor Frost zu schützen. Der Antrag wurde genehmigt, doch offensichtlich wurden die beantragten Gegenstände mal wieder nicht geliefert.

Am 01.05.1927 wurde deshalb ein neuer Antrag gestellt. Nun bat man um eine noch „größere“ Beihilfe für eine Motorspritze „in Folge schlechter Wasserverhältnisse und Veraltung der bisherigen Handspritze“. Sie sollte bei einer Wehrübung im August vorgeführt werden, was auch klappen sollte.


Denn auf Drängen der Freiwilligen Feuerwehr wurde nun tatsächlich am 23.06.1927 eine „vierrädrige Pferdezug-Motorspritze - Modell Braunschweig“ bei Julius Müller, Döbeln i. Sa. in Auftrag gegeben. Diese 4 PS starke Spritze wurde bereits am 25.07.1927 der Gemeinde übergeben.

Zwar wurde nun die Feuerspritze diesmal prompt geliefert, dafür musste aber der Unternehmer recht lange auf seine Bezahlung warten. Es kam zu einem regen Schriftwechsel, in dem der Hersteller immer wieder an die offenstehende Rechnung erinnern musste und auch immer ungehaltener wurde. Trotz des mehr­fachen Drängens der Firma J. Müller, die das zugesicherte Geld dringend benötigte, zog sich die Zahlung des Zuschusses der Landesregierung von 2.600 RM ca. ein Jahr hin.

Mit dieser Motorspritze arbeitete die Freiwillige Feuerwehr bis ins Jahr 1949. Die Anschaffung einer neuen Tragkraftspritze TSW 508 für 4.003,35 DM wurde unumgänglich, da die mittlerweile 22 Jahre alte Motorspritze nicht mehr gebrauchs- und reperaturfähig war.

Bis 1957 leistete diese Spritze wertvolle Dienste, musste dann jedoch der wesentlich leistungsfähigeren Tragkraftspritze TS 8 weichen. Mit dieser Tragkraftspritze wurde ein Transportanhänger (TSA) geliefert in dem die Spritze, Schläuche und sonstige Brandbekämpfungsgegenstände transportiert werden konnten. Dieser Anhänger musste von einem Traktor gezogen werden. Damit war die Zeit der pferdebespannten Feuerwehr auch in Bahrdorf zu Ende.

Wenige Jahre später übernahm die Bahrdorfer Wehr ihr erstes Fahrzeug, bei dem es sich um einen alten Opel aus dem Zweiten Weltkrieg handelte. Da das Fahrzeug schon stark abgenutzt war gab es ständig Probleme. 1965 übernahm die Gemeinde ein Fahrzeug des zivilen Bevölkerungsschutzes, das allradgetriebene Tanklöschfahrzeug TLF 8 mit einem 800 Liter fassenden Wassertank.

Nach dem Anschluss Bahrdorfs an das zentrale Wasserversorgungsnetz verbesserte sich die Löschwasserversorgung schlagartig. Heute verfügen wir innerhalb des Ortes über eine Vielzahl von Hydranten, die die Brandbekämpfung jederzeit gewährleistet.

Im Jahre 1966 kam es zu umfassenden Renovierungsarbeiten des alten Spritzenhauses, das infolgedessen teilweise abgerissen und vergrößert wurde. Nun war Platz für zwei Fahrzeuge und ein abgeteilter Raum lieferte erstmals Ablagemöglichkeiten für Ausrüstung und Gerätschaften. Am 19.05.1966 wurde das Gerätehaus und ein neues Löschfahrzeug (s. Bild) durch den damaligen Bürgermeister Max Schwerdtfeger an die Wehr übergeben. Dieses Löschfahrzeug auf Basis eines Opel Blitz war mit einer Vorbaupumpe ausgerüstet und bot Platz für eine Löschgruppe von 9 Personen. Die 1957 erworbene Tragkraftspritzenpumpe TS 8 mit allen zur Brandbekämpfung notwendigen Schläuchen konnte ebenfalls untergebracht werden.

Im Jahre 1984 wurde dann in Bahrdorf die Jugendfeuerwehr gegründet, die 1999 ihr 15-jähriges Bestehen feiert. Diese Jugendarbeit stellt für die Feuerwehr eine wichtige Abteilung dar, aus der viele unserer aktiven Mitglieder stammen

Mit 700 Stunden Eigenleistung wurde 1985 und 1986 das Feuerwehrgerätehaus grundlegend renoviert. So wurden elektrische Rolltore, sanitäre Anlagen, eine Küche und eine Heizung eingebaut.

Das Gerätehaus ist in der Zwischenzeit für den heutigen Ausrüstungsstand der Stützpunktwehr zu klein.Zusätzliche Gerätschaften (Löschwagen und Feldküche) konnten dank vieler Bürger, die ihre Gebäude zur Verfügung stellen, im Ort verteilt untergebracht werden. Bei Bedarf müssen sie allerdings erst aufwendig besorgt werden. Durch die Lage des Gerätehauses kommt es des öfteren vor, das die Zufahrt zugeparkt wird und ein Ausrücken der Fahrzeuge behindert wird.

Die Wehr kann heute auf ein 125-jähriges Bestehen zurückblicken. Da unsere Chronik leider nicht vollständig überliefert wurde, sind nur die Namen der folgenden Männer bekannt, die die Wehr ab 1900 als Feuerwehrhauptleute bzw. als Ortsbrandmeister führten und sich ganz in den Dienst der Feuerwehr stellten bzw. noch stellen:

 

Name Zeitraum
Hermann Wehke 1900 - 1915
Willi Herklotz 1915 - 1920
Willi Wehke 1920 - 1933
Reinhard Masche 1933 - 1945
Richard Schrader 1945 - 1950
Hermann Dürkop 1950 - 1964
Rudolf Kühdeisch 1964 - 1968
Heinrich Steeg 1968 - 1977
Gerd Doppslaff 1977 - 1989
Dieter Kehlau 1989 -
Dirk Apel  
Eckhard Hahn  
Carola Kehlau